Mehrfamilienhäuser

Reussinsel III

Der Planungsperimeter für ein neues Wohnhaus steht an einem der vielschichtigen Gebiete in Luzern. Die Topographie definiert auf natürliche Art und Weise eine Enge zwischen dem Seebecken/Alpenraum und dem Mittelland. Neben der Reuss und den ganzen Verkehrsadern von Nah- und Fernverkehr hat sich in den letzten Jahrzehnten der Stadtteil Basel-/Bernstrasse immer weiterentwickelt und bildet nun ein eigenständiges urbanes Verbindungsstück zwischen Luzern und Luzern Nord mit dem Stadtteil Littau und den Gemeinden Emmen und Emmenbrücke. Zwischen den Verkehrsströmen und dem urbanen Stadtgebiet bildet die Reuss den natürlichen Ausgleichsraum für Ruhe und Entspannung.

Auftragsart

Wettbewerb

Bauherr

AXA Investment Managers Schweiz AG

Fertigstellung

2018

Auszeichnung

1. Preis und Bauauftrag

Adresse

Reussinsel 28
6003 Luzern

Visualisierer

  • Scheitlin Syfrig Architekten

Dies bildet die Grundlage für die Setzung und Ausdehnung des neuen Baukörpers. Das langgezogene Gebäude übernimmt die bestehende westlich angrenzende Bebauungsstruktur und trennt den Flussraum vom Damm der Eisenbahn. Das Gebäude ist zudem ganz an die nördliche Grenze gesetzt. Dies ermöglicht einen möglichst grossen Abstand im Süden sowie eine unmittelbare Verbindung zwischen den Wohnungen und dem Flussraum. Die Erschliessung der Wohneinheiten erfolgt über die Reussinselstrasse. Über eine gemeinsame, leicht erhobenen Vorzone erreicht man die einzelnen vertikalen Erschliessungskerne. Die Einfahrt in die Einstellhalle erfolgt direkt an der Ostseite, um den Verkehr entlang des Gebäudes möglichst zu reduzieren. Als Alternative kann auch die bestehende Einfahrt der westlich angrenzenden Überbauung genutzt werden. Das Gebäudevolumen in der viergeschossigen Wohnzone versteht sich als Solitär und Verbindungsbau zur angrenzenden Bebauungsstruktur. Die Realisierung und Planung dieses Gebäudes kann auch zu einem späteren Zeitpunkt im Zusammenhang mit der Entwicklung der Nachbarparzelle erfolgen.

Das Gebäude gliedert sich in der Horizontalen in einen westlichen und östlichen Abschluss sowie einen seriellen Mittelteil. Die Wohnungen profitieren sowohl von der urbanen Südseite als auch vom ruhigen Flussraum. Das Erlebbarmachen dieser unterschiedlichen Aussenraumqualität definiert die Organisation der Wohnungsgrundrisse. So erfolgt der Zugang über den Süden durch die aktiven Räume (Eingang und Küche). Mit einer Drehung um die eigene Achse liegt der Fokus auf dem Flussraum. Die grosse Fensterfront schafft einen unmittelbaren Bezug zur Reuss. Die unabhängige, mäandrierende Balkonschicht bietet zudem eine Aufenthaltsmöglichkeit in Form einer Aussichtskanzel. Die weiteren Zimmer sind in einer parallel laufenden Schicht angeordnet. Die beiden Kopfelemente bieten die Möglichkeit für unterschiedliche Wohnungstypologien.

Das lange Gebäudevolumen reagiert auf der Nord- und Südseite jeweils unterschiedlich entsprechend dem Aussenraum. Im Süden definieren über die ganze Abwicklung langgezogene Betonbrüstungen den Abschluss der vorgelagerten Balkonschicht. Diese dient zum einen als Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und zum anderen als Lärmschutz gegenüber der Bahnlinie. Im Ausdruck entsteht eine horizontale Schichtung, welche im Zusammenhang mit der Gebäudelänge die Dynamik des urbanen Aussenraums widerspiegelt. Auf der Nordseite ist dem Gebäude eine filigrane Metallkonstruktion vorgelagert. Jede Wohnung erhält auf diese Art und Weise ein eigenes Belvedere. Wellenartig übernimmt die horizontal und vertikal gegliederte Struktur einen direkten Bezug zum Flussraum. Die filigranen Elemente stehen in direktem Bezug zur Bepflanzung der Freiräume. Das Metall bildet nicht nur den Zusammenhang zwischen der Nord- und Südseite, sondern nimmt auch Bezug auf die zahlreichen Infrastrukturelemente im umliegenden Stadtraum.

Die Situierung der Bauten generiert Freiräume mit ausgesprochen unterschiedlicher Ausprägung. Im Süden die Bereiche mit der Erschliessung, der Nähe zur Strasse und zum Bahndamm; als Gegenüber die Freiräume im Norden, mit dem Bezug zum Naturhaften und dem Ausblick zur Reuss. Deren Ufermauer wird analog dem offensichtlich bereits bewilligten und vor der Ausführung stehenden Projekt des Nachbargrundstückes ausgebildet. Das heisst, Anpassen der Terrainhöhen, Entfernen der bestehenden Betonmauer und neue Ufersicherung mit Natursteinen. Integriert in diese Mauer sind drei Belvedere, die Platz und Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Die Fläche zwischen Ufermauer und Gebäudefassade wird mit einem Kiesbelag ausgebildet. Dieser Bereich ist bepflanzt mit Weiden, standortgerechten Kleingehölzen und Wildstauden, welche partiell verdichtet den öffentlichen Uferweg vom privaten, den Bewohnern der Bebauung zugewandten, Bereich separieren. Eine Vergrünung der Kiesflächen in wenig begangenen Bereichen ist hier erwünscht. Entlang der Reussinselstrasse schaffen Birken mit ihrem poetischen Erscheinungsbild einen Filter zwischen Bebauung und Bahn. Private Gartenbereiche sind den Parterrewohnungen im Süden zugeordnet.

Die gesamte lärmzugewandte Südseite verfügt über einen vorgelagerten Balkon. So kann sichergestellt werden, dass beim Grossteil aller lärmempfindlichen Räume die IGW eingehalten werden kann. In Bereichen wo erforderlich (beispielsweise 2.OG) oder gewünscht, können die Balkone teilweise oder ganz geschlossen werden. So kann der Lärmschutz gegenüber den gesetzlichen Anforderungen deutlich weiterführend umgesetzt werden, was einen höheren Wohnkomfort bedeutet. Durch die Platzierung der mehrheitlich schliessbaren Küchen (< 10 m²) werden die lärmunempfindlichen Nutzungen auf der Südseite maximiert. Im Attikageschoss sind die Brüstungen geschlossen geplant, wodurch die zurückgesetzten Räume vom Lärm abgeschirmt werden.

Die Gebäude können problemlos mechanisch belüftet werden. Beim Entwurf wurde auf ein kompaktes Gebäudevolumen geachtet, womit neben den wirtschaftlichen und terminlichen Vorteilen auch die Transmissionsverluste der Gebäudehülle optimiert werden. Die Hülle verfügt über sehr gut wärmegedämmte Bauteile und Fenster nach dem neusten Stand der Technik. Aufgrund der Lage des Grundstücks mit den südseitigen Lärmbelastungen, sind die Gebäude gegen die Reuss ausgerichtet. Sofern die Nordfenster sich als grössere Herausforderung bezüglich Minergie herausstellen, wird eine Zertifizierung nach SNBS empfohlen. Mit einer Wärmepumpen basierten Wärmeerzeugung, welche mit erneuerbarem Strom betrieben wird, ist eine Zertifizierung diesbezüglich möglich. Die Opaken Fassaden-Elemente sowie das Attikageschoss können in Holzbau erstellt werden, womit der Bedarf an grauer Energie reduziert wird.

Reussinsel III, Reussinsel 28, 6003 Luzern