Büro & Arbeit/Mehrfamilienhäuser

Wohn- und Geschäftshaus LUKB/RVC

Die neue Gesamtanlage wird durch drei unterschiedliche Gebäudevolumen gebildet. Zusammen definieren sie eine Abfolge von verschiedenen Aussenplätzen, die über eine breite Gasse miteinander verbunden sind. Der neu definierte Freiraum zwischen den Gebäudevolumen wird zum Mittelpunkt und Herzstück der neuen Wohn- und Geschäftsanlage. Durch die Geometrie der Gebäudekörper wird nicht nur ein neues Identifikationselement im Innern der Anlage geschaffen, sondern auch eine Weiterentwicklung der unterschiedlichen Ecksituationen im Zusammenhang mit den umliegenden Gebäudevolumen ermöglicht.

Bauherr

Luzerner Kantonalbank AG und RVC Real Estate AG

Jahr

2015

Auszeichnung

3. Preis

Adresse

Christoph-Schnyder-Strasse 2
6210 Sursee

Visualisierer

  • Scheitlin Syfrig Architekten

Die beiden Volumen auf der Parzelle 1022 ergänzen die Ecksituation an der Kreuzung Bahnhofstrasse/Christoph-Schnyder-Strasse und entsprechend damit den städtebaulichen Leitlinien der Stadt Sursee. Durch seine Nord-Süd Ausrichtung leitet das Hochhaus den städtischen Raum von der Hauptverbindung zwischen Bahnhof und Altstadt in die quer dazu ausgerichtete Christoph-Schnyder-Strasse, und ermöglicht dadurch eine bessere räumliche Verknüpfung zwischen Bahnhofstrasse und Centralstrasse. Der urbane Raum entwickelt sich somit nicht nur linear entlang der Hautrichtung, sondern gewinnt dadurch an Tiefe in die dahinter liegenden Strukturen. Das Gebäudevolumen auf der Parzelle 1178 spiegelt zum einen die Nord-Süd Ausrichtung der Wohngebäude auf dem westlich angrenzenden Grundstück der Parzelle, zum anderen bildet es durch das Zusammenfügen der beiden Längselemente den Abschluss der Schnydermatt.

Das Herzstück der Wohn- und Geschäftsanlage bildet die neu angelegte Schnyder Gasse im Zentrum der Überbauung. Die Vielzahl kleiner und mittlerer Ladenlokale dient als Motor zur Belebung der urbanen Mittelzone. Im Gegensatz zum Shoppingcenter auf der gegenüberliegenden Strassenseite, in dem sich alles vorwiegend auf den Innenraum konzentriert, soll hier eine altstadtähnliche Situation geschaffen werden, in der sich das Leben unter freiem Himmel abspielen kann. Dazu dient ein kleines Kaffee mit Aussenterrasse im Zentrum der Ladengasse als Ort zum Verweilen. Die neue Gasse dient nicht nur zur Erschliessung der einzelnen Läden, sondern ist auch Hauptadresse für sämtliche Wohn- und Büroeinheiten der neuen Überbauung. Die bewusste Durchmischung dieser vielfältigen Nutzung fördert die Urbanität der Gesamtanlage.

Mit einer Ausnahme entlang der Bahnhofstrasse, an der sich die Verkaufsflächen über zwei Geschoss erstrecken, sind sämtliche Läden im Erdgeschoss angesiedelt. Die neue offene Ladengasse generiert für sämtliche Verkaufs-Einheiten eine adäquate Adresse und genügend Tageslicht. Die Anlieferung zu den Ladenflächen erfolgt primär entlang der westlichen Parzellengrenze. Dabei ist sowohl der Zugang über den Gebäudezwischenraum in die Gasse möglich, wie auch der direkte Weg zu den Lagerräumen, über die Liftanlagen der Gebäude. Die Flächen der LUKB erstrecken sich über fünf Geschosse des Hochhauses (Schalterhallte im EG, Büros und Sitzungszimmer im 1. – 3. Obergeschoss, Nebenräume im UG), wobei sie im 3. Obergeschoss durch eine grosszügige Aussenterrasse mit Blick in die Schnyder Gasse ergänzt werden. In den darüber liegenden Stockwerken sind 50 Wohneinheiten angesiedelt. Im westlichen Gebäude, auf Parzelle 1022, findet sich im 1. Obergeschoss neben den doppelgeschossigen Ladenflächen zusätzlicher Raum für Büros. Das 2. Obergeschoss und die folgenden Stockwerke werden für Wohnungen genutzt. Das Gebäude auf Parzelle 1178 dient neben den Ladenflächen im Erdgeschoss ausschliesslich dem Wohnen. In den fünf Obergeschossen befinden sich rund 48 Wohneinheiten. Sämtliche Wohnungen sind im Minimum zweiseitig orientiert. Sie verfügen mehrheitlich über einen durchgehenden Wohn- und Essbereich, der sowohl einen Bezug zur Strasse, als auch zur Schnyder Gasse aufweist. Diese Grundtypologie wird in einer Vielzahl unterschiedlicher Grundrissvarianten abgebildet, deren Vielfalt ein wichtiges Element des Wohnungs-Konzeptes bildet. Das breite Angebot sorgt für eine gute soziale Durchmischung innerhalt der Gesamtanlage. Die drei Gebäudevolumen sind bewusst nur im Untergeschoss miteinander verbunden. Diese Massnahme fördert einerseits die Identität der einzelnen Einheiten, zum anderen entsteht dadurch eine hohe Flexibilität für eine mögliche Etappierung. Weiter ermöglicht dieser Aspekt eine grössere Vielfalt in der Gestaltung der einzelnen Volumen.

Die statische Grundstruktur der Gebäude basiert auf einem Stützen-Platten-System. Innerhalb der einzelnen Nutzungseinheiten werden die Räume mit Hilfe von Leichtbauwänden unterteilt. Dieses Konzept erlaubt es, zukünftigen Anpassungen infolge anderer Wohnbedürfnisse, oder gar wechselnder Nutzungsanforderungen, Rechnung zu tragen. Dabei ist die Tragstruktur so aufgebaut, dass eine optimale und effiziente Parkierungs-Anordnung im 2. Untergeschoss möglich wird. Eine Ausnahme bildet das Hochhaus. Die Auskragungen werden in der Geschossdecke zwischen EG und OG mittels Querträger auf das sonst durchlaufende Stützen-System überführt. Der aus dem statischen System entwickelte, gerasterte aber dennoch flexible Gebäudetypus, gibt mit seiner klar strukturierten Fassade eine Antwort auf die urbanen Anforderungen der Situation. Die Materialisierung und Gliederung der Fassaden zeichnen und akzentuieren das Konglomerat der drei Gebäudevolumen.

Ein Geflecht aus horizontalen Brüstungsbändern und vertikalen Wandelementen wird dabei räumlich und tektonisch gefügt. Die horizontalen und vertikalen vorfabrizierten Faserbeton-Elemente gliedern das Gebäude mit Hilfe unterschiedlicher Geschosshöhen, Füllelementen und rückspringenden Gebäudevolumen in die klassischen, urbanen, tektonischen Aufbauelementen wie Sockel, Piano nobile und Dachabschluss.

Wohn- und Geschäftshaus LUKB/RVC, Christoph-Schnyder-Strasse 2, 6210 Sursee